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Buchtipps von Hardy Ruoss für das Café Littéraire
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| Belletristik deutschsprachig |
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Monica Cantieni
Grünschnabel
Roman. Schöffling & Co., 2011
«Mein Vater hat mich für 365.- Franken von der Stadt gekauft.» So beginnt die Geschichte eines Kindes, das, zur Adoption freigegeben, bei neuen Eltern im Immigrantenmilieu der 1970er Jahre landet. Inmitten dieser bunt gemischten Umgebung versucht das Kind Fuss zu fassen und sich, mit Hilfe einer Wörtersammlung in vielen Streichholzschachteln, zurechtzufinden. Was nicht so einfach ist; und richtig gross werden die Probleme, als es beim italienischen Gastarbeiter im Kleiderschrank eine Entdeckung macht, die eine Lawine auslöst.
Grünschnabel besticht durch ungewöhnlichen Bilderreichtum, eine eigenwillige Erzählweise und lakonische Dialoge.
Monica Cantieni wurde für diesen Roman vom Aargauer Kuratorium gefördert. Felicitas Hoppe urteilte als Mitglied der Jury: «Der tragisch-komische Ton bricht mit vertrauten realistischen Erzählmustern und öffnet, Traditionen osteuropäischer Literatur folgend, bei aller Zeitgenossenschaft imaginäre Räume jenseits von Ort und Zeit.»
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Alex Capus
Léon und Louise
Roman. Hanser, 2011
Zwei junge Leute verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Léon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Léon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen. Alex Capus erzählt mit wunderbarer Leichtigkeit und grosser Intensität von der Liebe in einem Jahrhundert der Kriege, von diesem Paar, das gegen alle Konventionen an seiner Liebe festhält und ein eigensinniges, manchmal unerhört komisches Doppelleben führt. Die Geschichte einer grossen Liebe, gelebt gegen die ganze Welt.
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Dorothée Elmiger
Einladung an die Waghalsigen
Roman. DuMont, 2010
In den Stollen eines Kohlereviers ist vor Jahrzehnten ein Feuer ausgebrochen und noch immer lodern unter Tage die Flammen. Margarete und Fritzi sind die übrig gebliebene Jugend einer verschwindenden Stadt. Ihr Erbe ist nichts als ein verlassenes Gebiet, in dem Verwüstung herrscht. Frühere Ereignisse sind nur bruchstückhaft überliefert. Doch die beiden Schwestern wollen diesen Zustand nicht hinnehmen. Entschlossen brechen sie auf zu einer Expedition, um ihre eigene Herkunft zu erforschen. Denn nur wer seine Geschichte kennt, kann sich eine hoffnungsvolle Zukunft aufbauen …
Mit der Wiederentdeckung eines längst vergessenen Flusses wird für Margarete und Fritzi nicht nur ein neues Leben greifbar. Endlich gibt es auch einen Anlass, Einladungen für ein grosses Fest zu verschicken: «Kommt auf euren Fahrrädern gefahren! Kommt auf euren weissen Pferden geritten!»
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Arno Geiger
Der alte König in seinem Exil
Hanser, 2011
Arno Geiger hat ein tief berührendes Buch über seinen Vater geschrieben, der trotz seiner Alzheimerkrankheit mit Vitalität, Witz und Klugheit beeindruckt. Die Krankheit löst langsam seine Erinnerung und seine Orientierung in der Gegenwart auf, lässt sein Leben abhandenkommen. Arno Geiger erzählt, wie er nochmals Freundschaft mit seinem Vater schliesst und ihn viele Jahre begleitet. In nur scheinbar sinnlosen und oft so wunderbar poetischen Sätzen entdeckt er, dass es auch im Alter in der Person des Vaters noch alles gibt: Charme, Witz, Selbstbewusstsein und Würde. Arno Geigers Buch ist lebendig, oft komisch. In seiner tief berührenden Geschichte erzählt er von einem Leben, das es immer noch zutiefst wert ist, gelebt zu werden.
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Alice Schmid
Dreizehn ist meine Zahl
Roman. Nagel & Kimche, 2011
Die neunjährige Lilly schildert ihr Leben in einem Dorf auf dem Berg Napf, zwischen den Kantonen Bern und Luzern, Ende der fünfziger Jahre. Inmitten von Armut und harten, bäuerischen Sitten verbringt Lilly ihre Kindheit und wehrt sich mit allen Mitteln gegen die Ungerechtigkeit in der Familie, gegen Gewalt und die Zumutungen der Erwachsenenwelt. Alice Schmid, Filmproduzentin aus der Schweiz, ist mit viel Liebe zum Detail ein Erstling von Gotthelfscher Wucht gelungen, anrührend, beklemmend und von grosser Glaubwürdigkeit. Eine tief berührende und wahrhaftige Geschichte, deren Witz und Feinfühligkeit lange nachklingen.
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Peter Stamm
Seerücken
Erzählungen. S. Fischer, 2011
Peter Stamm erzählt ungeheuer kunstvoll und scheinbar so einfach von Leben, die nicht gelebt, die aufgeschoben, erinnert und schliesslich verpasst werden. In lakonischen Sätzen und unauffällig stimmungsvollen Szenen findet er - leicht lesbar, aber schwer verdaulich - die kaum spürbaren Eruptionen, die sich im Rückblick als Erdbeben erweisen. Die Einsamkeit im gemeinsamen Urlaub. Ein verlassenes Hotel in den Bergen. Ein Mädchen im Wald. Ein Pfarrer, der die Vögel füttert. Die erste Liebe mit Gewicht. Peter Stamm zeigt sich auch in «Seerücken» wieder als Meister der Kurzgeschichte. Karl-Markus Gauss, Die Zeit
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Jens Steiner
Hasenleben
Roman. Dörlemann, 2011
«Und irgendwo stiegen eine Hasenmutter und ihre zwei Jungen wieder mal in einen Gully, zogen von unten den schweren Deckel über das Loch. ... Irgendwo würden sie wieder einen Deckel heben und ins Licht steigen. Und auspacken und neu anfangen. Immer wieder.» Lili führt ein unstetes Leben, verdingt sich als Kellnerin, zieht mit ihren beiden Kindern durch die Schweiz. Sie träumt von einger guten Ausbildung, einem Familienleben, während sie die Nächte in dunklen Kellern durchtanzt, ihre Kinder sich selbst überlässt. Der kleine Werner streift unablässig durch Hotelflure und spioniert die Gäste aus. Er träumt davon zu sein wie seine ältere Schwester. Emma ist ruhiger, sitzt oft einfach am Fenster und ritzt an ihren Armen. In St. Moritz taucht eines Tages ein Mann auf, dessen Name allen dreien sehr bekannt vorkommt. Und Lili ergreift einmal mehr die Flucht, bis - ja bis ihr Leben durch ein tragisches Ereignis endgültig aus den Fugen gerät.
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Karin Richner
Sieben Jahre Schlaf
Roman. bilgerverlag, 2011
Der Roman erzählt in suggestiven Bildern die wehmütige und doch zauberschöne Geschichte von Lucies Grossmutter, die als sehr junge unverheiratete Mutter ihre Tocher nach der Geburt an Pflegeeltern gegeben hat. Der Roman erzählt, wie die Mutter von Lucie ihren Mann und schliesslich auch ihre Tochter verlässt. Auf der Suche nach Geborgenheit schliesst sich Lucie immer mehr in sich selbst ein, während draussen ein glühend heisser Sommer alle Sinne betäubt.
Durchdrungen von den Düften und Gerüchen des Südens ist die zutiefst berührende Geschichte von Estelle, Aline und Lucie ein kleines impressionistisches Meisterwerk. Dabei setzt Karin Richner eine literarische Tradition fort, die an Marguerite Duras und Nathalie Sarraute erinnert.
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| Belletristik international |
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Chalid al-Chamissi
Im Taxi
Lenos Verlag, 2011
Kaum ein Berufsstand Ägyptens ist näher am Puls der Gesellschaft als die 250000 Kairoer Taxifahrer. Wer wissen will, was die Menschen umtreibt, liest keine Zeitung, sondern nimmt das Taxi und hört auf das, was ihm der Fahrer erzählt: «Wir leben in einer einzigen Lüge und glauben daran. Die Regierung ist nur dazu da zu prüfen, ob wir die Lüge wirklich schlucken, finden Sie nicht auch?» «Im Taxi» plaudert, diskutiert, feilscht und streitet Chalid al-Chamissi mit Fahrern, die im kleinen öffentlichen und doch abhörfreien Raum ihrer Wagen ihren Frust über das korrupte Regime und die allgegenwärtigen Missstände in Ägypten loswerden - mit immerhin einem Zuhörer: ihrem Fahrgast. Aus achtundfünfzig kurzen, pointenreichen Episoden entsteht ein grosses Mosaik der ägyptischen Gesellschaft von heute, eine Hommage an die oft verschmähte Kultur der Strasse. Nicht selten haben dabei die politischen Einsichten der Taxifahrer mehr Tiefgang als das ewige Geschwätz der Regierenden.
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Giovanni Bonalumi
Die Geiseln
Roman. Huber, 2011
Obwohl eher von südlichem Gepräge, ist Giovanni Bonalumis genialer Erstling «Die Geiseln» von 1953 ein Buch aus der Verwandtschaft von Musils Verwirrungen des Zöglings Törless. Als Bonalumis Gli Ostaggi 1953 erschien, löste das Buch im Tessin einen Skandal aus. Es wurde als Attacke gegen die katholische Kirche und das chauvinistisch und autoritär geführte Internat,dem bischöflichen Priesterseminar San Carlo in Lugano verdächtig ähnlich, verstanden. Was heute für den Roman einnimmt, ist das feinsinnig-glaubwürdige Seelenporträt eines jungen Mannes,der nach dem Tod seines Vaters in die kirchliche Zuchtanstalt gerät und dort zwischen den asketischen Forderungen der Kirche und der verlockenden Welt draussen hin- und hergerissen wird, bis er sich gegen den Priesterberuf entscheidet. |
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José Saramago
Kain
Roman. Hoffmann und Campe, 2011
«Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte ihrer Uneinigkeiten mit Gott, weder versteht er uns, noch verstehen wir ihn», heisst es in Saramagos «Kain», und es könnte das Motto des Buches sein. Saramago schickt seinen Helden nach dem von ihm begangenen Brudermord an die unterschiedlichsten Schauplätze des Alten Testaments und lässt ihn aktiv an den biblischen Geschichten teilhaben. So trifft Kain, der in der Zeit vor und zurück katapultiert wird, auf die verführerische Lilith, die ihn sofort als Liebhaber vereinnahmt, er ist als Retter zur Stelle, als Abraham sich in Gottes Auftrag anschickt, seinen Sohn Isaak zu opfern, er verfolgt fassungslos die Zerstörung von Sodom und Gomorrha. Stets stellt der staunende, vermeintlich naive Kain die göttliche Vernunft in Frage - ob es sich um Gottes «unrühmliche» Rolle in dem ureigenen Bruderzwist handelt, ob um die Babelonische Sprachverwirrung oder den Tanz ums Goldene Kalb. Und auch Saramagos geistreicher, unermüdlich kommentierender Erzähler macht einmal mehr deutlich, dass göttliches Handeln mit rationalem Denken nicht nachzuvollziehen ist. |
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Sjón
Das Gleissen der Nacht
Roman. S. Fischer, 2011
Im Winter bläst der Nordwind eisig über die Lavafelsen. Es herrscht Dunkelheit, als ob das Ende der Welt naht. Im Sommer sind die Nächte hell wir der Tag, und die Hügel duften am Morgen nach taufeuchtem Gras. Das ist Island um 1636, und dort lebt Jónas, der Gelehrte. Eigentlich will er nur durch die Welt streifen, noch gelehrter werden und Ungeheuer erlegen. Aber sein Wissen verschafft ihm Neider, die ihm das Leben schwer machen und ihn von einem Abenteuer ins andere treiben.
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Elizabeth Taylor
Blick auf den Hafen
Roman. Dörlemann, 2011
«Als eine der meist unterschätzten Schriftstellerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts schreibt Elizabeth Taylor mit einer wunderbaren Präzision und Anmut. Ihre Welt ist absolut faszinierend.» Antonia Fraser. Es herrscht das sechste Jahr des Krieges im englischen Hafenstädtchen Newby. Die Zeit vergeht ereignislos. Jeder kümmert sich um seinen Nächsten, nichts geschieht unbemerkt, auch wenn die Wahrung des schönen Scheines allen zur zweiten Natur geworden ist. Die schöne Tory hat heimlich ein Verhältnis mit ihrem Nachbarn Robert, unbemerkt von seiner Frau Beth, ihrer besten Freundin, die über dem Verfassen ihrer Romane die Umwelt nicht wahrnimmt. Ihre Tochter Prudence ist entsetzt über den Verrat, der vor ihren Augen geschieht. Die alte Mrs Bracey starrt, an den Stuhl gefesselt, unentwegt aus dem Fenster auf den Hafen und hält einen Tratsch mit allen, die vorbeikommen. |
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Lev Tolstoj
Familienglück
Roman. Dörlemann, 2011
Mascha verliebt sich nach dem Tod der Mutter in ihren älteren Vormund, es entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung und nach der Heirat ziehen die beiden auf sein Gut Nikolskoe. Doch bald wird der lebenshungrigen Frau das eintönige Landleben langweilig. Sie liebt den Glanz der Bälle in Petersburg und verfällt der Vergnügungssucht, was ihre Ehe und ihr Familienglück gefährdet.
Tolstoj greift hier erstmals den für ihn so wichtigen Themenkomplex Liebe - Ehe - Familie auf. Seine Protagonistin Mascha ist eine Vorgängerin von Natascha Rostova und Anna Karenina. «Familienglück» erscheint in einer neuen zeitgemässen deutschen Übersetzung, die der Modernität des Romans gerecht wird. |
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Carlos Ruiz Zafón
Marina
Roman. S. Fischer, 2011
«Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Das hier ist das meine.» So beginnt Oscar Drai seine Erzählung. Der junge Held des Romans sehnt sich danach, am Leben Barcelonas teilzuhaben, und streift am liebsten durch die verwunschenen Villenviertel der Stadt. Eines Tages trifft er auf ein faszinierendes Mädchen. Sie heisst Marina, und sie wird sein Leben für immer verändern. Gemeinsam werden die beiden in das düstere Geheimnis um den ehemals reichsten Mann Barcelonas gesogen. Schmerz und Trauer, Wut und Grössenwahn reissen sie mit sich, eine höllische Verbindung von vernichtender Kraft. Aber auch Marina umgibt ein Geheimnis. Als Óscar schliesslich dahinterkommt, ist es das jähe Ende seiner Jugend. In «Marina» beschwört Carlos Ruiz Zafón erstmals sein unnachahmliches Barcelona herauf, eine Stadt voller Magie und Leidenschaft, und erzählt in unvergleichlicher Weise die dramatische Geschichte eines jungen Mannes, der um sein Glück und seine grosse Liebe kämpft. |
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| Krimi |
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Petros Markaris
Faule Kredite
Roman. Diogenes, 2011
Die Morde an mehreren Bankern lassen die griechische Finanzwelt erzittern. Die Krise trifft inzwischen jeden, auch die, die sich in Sicherheit wähnten - und Kommissar Charitos steckt mittendrin. |
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Georges Simenon
Der Mörder
Roman. Diogenes, 2011
Vor einem Jahr hat Dr.Hans Kuperus aus Sneek (Niederländisch-Friesland) einen anonymen Brief bekommen. Darin stand, dass seine Frau Alice ein Verhältnis mit dem Lebemann Schutter habe. Ein Jahr lang braucht Dr. Kuperus, um einen Entschluss zu fassen. Doch dann geht alles ganz schnell. Und das Leben des Arztes ist von Grund auf verändert. |
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Georges Simenon
Das Testament Donadieu
Roman. Diogenes, 2011
Zuerst war der 72jährige Oscar Donadieu - «der Reeder», wie man ihn in La Rochelle respektvoll nannte - verschwunden. Dann wurde er ertrunken in einem Kanal gefunden, Unfall oder Selbstmord scheinen unwahrscheinlich. Die Testamentseröffnung bringt neue Überraschungen ...
Sehr genau schildert Simenon die Geschichte des Zerfalls einer Familie nach dem Tod ihres Oberhauptes. |
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Martin Suter
Allmen und die Libellen
Roman. Diogenes, 2011
Der neue Gedichtband von SAID beginnt mit einem «Kleinen Inventar», und Inventur halten diese Gedichte insgesamt. Sie sprechen vom Körper und von den Sinnen, von dem, was zerstört wird, aber auch vom Trotz und der Verwerfung des Todes. Sie sprechen von den Verlierern der Geschichte und den grossen mythischen und historischen Figuren, die nicht selten Opfer wurden, aber unsere Vorstellungskraft immer wieder inspirieren. Illusionslos betrachten sie unsere vermarktete Welt: «das meer ist eingepackt/und die sonne ausgezählt/beides kann man kaufen/hier/wo man alles kaufen kann», nur den «staub» nicht, und das Gedicht, das Wort, sind in ihrer Unscheinbarkeit wie Staub, aber dass sie nicht käuflich sind, verleiht ihnen ihre Würde.
Furchtlos, frei, abgeklärt und doch voller Leidenschaft mustern diese Gedichte die Welt. SAIDs Sprache ist von einer reinen Schönheit, in ihren dunklen wie lichten Tönen liest sie sich immer wieder neu, so als wäre sie gerade erst erfunden worden.
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Peter Zeindler
Urknall
Roman. Friedrich Reinhardt Verlag, 2011
«Urknall» beschreibt die Geschichte von Benjamin Lorant, der zwanzig Jahre nach dem Mauerfall mit seiner Vergangenheit als Stasi-Spion konfrontiert wird. Lorant lebt seit zwei Jahrzehnten unter falschem Namen und mit falscher Biografie als promovierter Kunsthistoriker in Genf. Nicht einmal seine Frau hegt einen Verdacht - bis eines Tages ein ominöser Unbekannter auftaucht, der die Zeit des Kalten Krieges wiederauferstehen lässt. In seinem Werk geht der Autor der Frage nach, was die wahre Identität eines Menschen ausmacht. |
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| Essay, Aufsatz, Biographie |
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Stanislas Dehaene
Lesen
Die grösste Erfindung der Menschheit und was dabei in unseren Köpfen geschieht
Knaus, 2010
Wunder des Lesens: WaruM knnen wr slbst dsn sAtZ vrsthn? Eine spannende Expedition vom Alphabet im Affengehirn bis zur Entstehung des Denkens in unseren Köpfen. Dieses Buch beantwortet alle Fragen: Warum liest der Mensch? Warum verstehen wir die Buchstaben? Warum gibt es Legasthenie? Wo liegen die Grenzen des Schnell-Lesens? Wie verändern digitale Technologien unser Denken? Schwarze Zeichen auf weissem Papier. Möglicherweise unterschiedlich in ihrer Grösse, Form, Anordnung. Dennoch wird in Sekundenbruchteilen ein ganzes Universum von Bedeutungen erschaffen. Der renommierte französische Kognitionswissenschaftler Stanislas Dehaene unternimmt einen aufregenden Streifzug durch die Landschaft in unseren Köpfen. Er beschreibt, was zwischen Kindergarten und zweiter Klasse im Gehirn passiert und wie dieser unendlich komplizierte Vorgang so automatisiert wird, ds slbst fEhlr kEIne rlle mhr spiln. Wie geht Lesen? Wie funktioniert die Verbindung von Auge und Geist, die gedruckte Zeichen in Töne, Musik und Bedeutung verwandelt und Gedanken begründet? Und warum hat unser Primatengehirn vor 5400 Jahren nach millionenjähriger Evolution plötzlich das Lesen erfunden? |
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Andreas B. Kilcher
Max Frisch
Suhrkamp, 2011
«Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben.»Identität, Freiheit, Liebe, Tod - Max Frisch kreist in seiner Literatur um existentielle Fragen. Als politisch engagierter Humanist reflektiert er das Gegebene mit kritischem Blick, aber auch mit tiefem Verständnis für die menschlichen Schwächen. Im Spiel der Möglichkeiten zeigt er uns, dass das Leben auch ganz anders sein könnte. |
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Rafik Schami
Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte
Hanser, 2011
Hunderttausende Menschen haben Rafik Schamis Erzählungen zugehört, und für seine Veranstaltungen in Deutschland hat er rechnerisch schon neunmal die Erde umkreist: Rafik Schami ist einer der letzten mündlichen Erzähler. In seinem neuen, persönlichsten Buch erzählt er, wie es dazu gekommen ist: Er berichtet von seiner Kindheit in Damaskus, als es noch Geschichtenerzähler gab, die im Kaffeehaus ihr Garn gesponnen haben, er zeichnet ein liebevolles Portrait seines Grossvaters, und er macht sich Gedanken darüber, wie die Märchen in die Welt gekommen sind. In diesem Buch, und das macht den grossen Reiz aus, spricht Schami mit dem Leser - und wir hören ihm atemlos zu. |
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Michaela Vieser
Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreissern
C. Bertelsmann, 2010
Von Ammen, Quacksalbern oder Köhlern mag der ein oder andere schon gehört haben. Doch welche Arbeiten sich hinter Namen wie Sandmann, Rosstäuscher oder Beutetürke verbergen, weiss heute niemand mehr. Solchen verschwundenen Tätigkeiten forscht dieser wunderschön illustrierte Band nach. Mit detektivischem Spürsinn haben Michaela Vieser und Irmela Schautz in Archiven, auf Gemälden oder in Romanen ausgestorbene Berufe ausfindig gemacht und ihren gesellschaftlichen Hintergrund beleuchtet. Sie erzählen zum Beispiel, dass der Kaffeeriecher als Teil des preussischen Steuersystems in Häusern nach geschmuggeltem Kaffee schnüffelte, oder berichten vom Abtrittanbieter, der mit Eimern auf Messen eine schnelle Lösung für kleine und grosse Bedürfnisse anbot. Eine höchst vergnügliche Alltagsgeschichte der Arbeit und des Wirtschaftens. |
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Beatrice von Matt
Mein Name ist Frisch
Nagel & Kimche, 2011
Am 15. Mai 2011 wäre Max Frisch 100 geworden. Beatrice von Matt, Literaturkritikerin aus der Schweiz, hat den Schriftsteller über Jahrzehnte kritisch begleitet und die Arbeit an seinem Werk bis in die Gegenwart fortgeführt. Ihre Essays erzählen auch von persönlichen Begegnungen. Die letzte - ein langes Abschiedsgespräch auf Einladung des Autors - fand kurz vor Frischs Tod statt. Beatrice von Matt liefert mit diesem kenntnisreichen Porträt einen wichtigen Beitrag zur Literaturgeschichte, zum Frisch-Jubiläum und zum Verständnis seines Werks. |
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Matthias Zschokke
Lieber Niels
Wallstein, 2011
Dieses Buch gönnt dem Genre Roman eine Pause. Es sprengt dessen Grenzen und kreiert ein ganz eigenes Format. Ein Tagebuch? Ja, aber ... Fast täglich schreibt Zschokke zwischen 2002 und 2008 auf, was ihm durch den Kopf geht und festgehalten werden muss: Es sind Auseinandersetzungen mit der Welt, der Zeit, der Literatur, mit der Musik, dem Theater, der Kunst: Kollegenbeschimpfungen, Reiseberichte, ja, sogar politische Marginalien. Aber all das ist nicht zur Selbstreflexion bestimmt, sondern hat ein Du. Was Zschokke notiert, ist für ein Gegenüber, den Freund Niels, bestimmt. Also ein Briefroman in seiner modernen Form, der Mail? Ja, aber ... Niemals waren die Mails, als sie geschrieben wurden, zur Veröffentlichung bestimmt. Das erklärt ihre Frische und Spontaneität. Der sie schreibt, ist ein wacher, staunender, spöttisch ironischer und selbstironischer Mensch. Er fragt etwas, sich selbst oder das Gegenüber, er probiert Antworten, poltert los, nimmt alles zurück und kommt zu ganz neuen Einsichten. Und Fragen! Eine mitreissende Neugier zieht sich durch alles, und man selbst gerät ins Staunen und sieht plötzlich klarer auf die Dinge. Eine Fundgrube ist dieses Buch, ein Wunderding. |
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| Wiedergelesen |
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Ivo Andric
Die Brücke über die Drina
Roman. Paul Zsolnay, 2011
Dieser monumentale historische Roman erschien 1945 und hat den Weltruhm von Ivo Andric begründet, der 1961 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Erzählt wird von einer Brücke, die bei Wischegrad, einer Stadt in Bosnien nahe der Grenze zu Serbien, über die Drina führt. Dort, im Herzen Bosniens, treffen sich seit Jahrhunderten die Menschen. Die Brücke verbindet und trennt Orient und Okzident. Der grosse Epiker Andric entfaltet die Geschichte vom 17. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg, und er zeigt uns unzählige Figuren - politische Märtyrer und religiöse Eiferer, jüdische Handwerker und islamische Händler, serbische Bauern und österreichische Beamte. |
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Thomas Bernhard
Autobiographische Schriften
Die Ursache; Der Keller; Der Atem; Die Kälte; Ein Kind
dtv, 2011
In den autobiographischen Jugenderinnerungen Thomas Bernhards sind zentrale Motive seiner Romane verankert und die Ursprünge früher Verletzungen nachzulesen: die Kindheit, die Schulzeit im Salzburger Internat, Lehre und Studium und seine Isolation als Achtzehnjähriger in einer Lungenheilstätte. Wer die Welt von Thomas Bernhard verstehen will, findet hier den Schlüssel. Das ist die Geschichte eines jungen Menschen, auf dem eigentlich nur herumgetrampelt worden ist, sei es von Seiten der Stadt, ihrer Bewohner, der Verwandtschaft, ganz gleich. |
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Thomas Bernhard
Autobiographische Schriften
5 Lesungen (ungekürzt); Sprecher: Ulrich Matthes, Peter Simonischek, Wolfram Berger, Burghart Klaussner, Gert Voss.
Hörbuch. Audio-Verlag, 2010
Sie sind der Schlüssel zum Werk von Thomas Bernhard. Sie kehren sein Innerstes nach aussen. Kein Text, der intimer, berührender ist als die fünf zwischen 1975 und 1982 geschriebenen Erzählungen, in denen der Autor seine traumatischen Kindheits und Jugenderinnerungen beschreibt. In gnadenloser Diktion erzählt er von der Schande seiner unehelichen Geburt, vom Verstoss durch die Mutter und von Aufenthalten in nationalsozialistischen Erziehungsheimen. Seine schwere Tuberkuloseerkrankung bringt ihn an den Rand des Todes. Doch er entscheidet sich für das Leben. Fünf berührende Erzählungen, gelesen von fünf der besten deutschsprachigen Schauspieler. |
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Hans Fallada
Jeder stirbt für sich allein
Roman. Aufbau, 2011
Ein einzigartiges Panorama des Berliner Lebens in der Nazizeit: Hans Falladas eindrückliche und berührende Darstellung des Widerstands der kleinen Leute avanciert rund sechzig Jahre nach der Entstehung zum internationalen Publikumserfolg. Jetzt erscheint erstmals die ungekürzte Fassung nach dem bislang unveröffentlichten Originalmanuskript. Ein Berliner Ehepaar wagte einen aussichtslosen Widerstand gegen die Nazis und wurde 1943 hingerichtet. Von ihrem Schicksal erfuhr Hans Fallada aus einer Gestapo-Akte, die ihm durch den Dichter und späteren Kulturminister Johannes R. Becher in die Hände kam. Fieberhaft schrieb Fallada daraufhin im Herbst 1946 in weniger als vier Wochen seinen letzten Roman nieder und schuf ein Panorama des Lebens der "normalen" Leute im Berlin der Nazizeit: Nachdem ihr Sohn in Hitlers Krieg gefallen ist, wollen Anna und Otto Quangel Zeichen des Widerstands setzen. Sie schreiben Botschaften auf Karten und verteilen sie in der Stadt. Die stillen, nüchternen Eheleute träumen von einem weitreichenden Erfolg und ahnen nicht, dass Kommissar Escherich ihnen längst auf der Spur ist. - Diese Neuausgabe präsentiert Falladas letzten Roman erstmals in der ungekürzten Originalfassung und zeigt ihn rauer, intensiver, authentischer. |
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Erich Kästner
Drei Männer im Schnee. Roman. / Inferno im Hotel. Erzählung
Atrium Verlag, 2010
Im Sommer 1927 sass Erich Kästner in einer Zeitungsredaktion und musste Tausende von Einsendungen zu einem Preisausschreiben prüfen und sortieren. Gut möglich, dass Kästner im Verlauf dieser ihn zweifellos frustrierenden Tätigkeit erfahren musste, dass die Gewinner eines Preisausschreibens nicht immer den Erwartungen derer entsprechen, die die Preise aussetzen. Jedenfalls erschien nur wenige Wochen später, am 9. August 1927, im Berliner Tageblatt seine Geschichte «Inferno im Hotel», die genau das zum Thema hat und die damit als Keimzelle der «Drei Männer im Schnee» anzusehen ist. Es handelt sich um eine düstere Erzählung, in der sich die raue Wirtschaftswirklichkeit der Weimarer Republik jener Jahre widerspiegelt - die Geschichte eines kleinen Mannes, der das grosse Los zieht und dann vom Personal eines Grandhotels grausam schikaniert wird.
Dieses Buch versammelt nun erstmals die Drei Männer im Schnee und ihren Urtext sowie einen Beitrag der Kästner-Expertin Sylvia List, die kenntnisreich darüber Auskunft gibt, wie aus dem Inferno das heitere, zeitlos-moderne Märchen entstand, das vielfach verfilmt wurde und seit über 75 Jahren alte wie junge Leser gleichermassen begeistert. |
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